Köln war nicht einfach leer. Köln war vernichtet — ausgelöscht — vergangen. 1396, nach dem Verrat, hatte Soromil die sieben Artefakte der Brujah in der Stadt an die Clans verteilt — ursprünglich als Zeichen der Tugenden der Brujah, nun als Spiegel der Sünden der Clans. Der Auslöser war Verrat: die systematische Vernichtung von Soromils Kindern und Kindeskindern durch die Ventrue im Zuge ihrer Machtergreifung über Köln. Nur so... so dachte er war sichergestellt, dass niemand es schaffen würde seinem Erschaffer zu nahe zu kommen.
Als im Herbst 2025 auf Anordnung des Ventrue-Prinzen weitere sechs Kainiten vernichtet wurden und der Schmerz der Stadt zu groß wurde, begann das Herz unruhig zu schlagen — und nach Blut zu rufen. Und das Blut gehorchte. Getränkt von der Vitae des Herzens war die gesamte Stadt von seiner Essenz durchflutet — jeder Kainit, der sich je dort genährt hatte, trug sie in sich, ohne es zu wissen. Und als das Blut gehorchte, verließ es die Kinder Kains die sich gerade in Köln befanden. Still. Ohne Kampf. Ohne Schrei. Es kehrte einfach heim — zurück zum Herzen, das es gerufen hatte. Und mit ihm: alles, was sie waren.
Die Gruppe fand die Artefakte. Eines nach dem anderen, in Kellern und Konzerthallen, in Museumstresoren und unter Bahnhofsgewölben. Nicht weil sie wussten, was sie taten. Sondern weil jeder Schritt sie tiefer in eine Logik trieb, die bereits vor ihrer Umarmung begonnen hatte. Am Ende hatten sie sieben Artefakte. Und eine Adresse: St. Andreas. Die Krypta. Die Prüfungen.
Was dort unten lag, hatte keinen Namen, den man laut aussprechen sollte. Marcus Vipsanius Agrippa — so nennen ihn die alten Texte — schlief seit Jahrhunderten. Geschützt in einer Krypta, die sein Kind Soromil gebaut hatte, und darüber eine ganze Stadt zu seinem Schutze. Die Gruppe weckte ihn nicht. Sie überzeugten ihn, weiterzuschlafen. Dafür ließ er sie leben. Und hinterließ etwas in ihrem Blut — etwas, das kein Primogen, kein Prinz und kein Erzbischof je einschätzen wird. Einen Kuss der Seele, aus einem Mund, der älter ist als die Stadt über ihm.